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redkrebs redet Tacheles
Die aktuelle TV-Kritik: der "Hotelinspektor" auf RTL
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Von Michael Hitzek
Rolf Nick hat's nicht leicht. Erst läuft ihm die Frau davon. Und dann kommt auch noch der strenge "Hotelinspektor " Heinz Horrmann, um Rolf Nicks Hotel "Sachsenross" im Oberharz für den geneigten Fernsehzuschauer auf Herz und Nieren zu prüfen.
Nun ist Horrmann zweifelsfrei kompetent. Als Journalist hat er für namhafte Zeitungen geschrieben und als bislang einziger seiner Zunft den "Five Star Diamond Award" der American Academy of Hospitality Sciences als "Bester Hotel-Autor weltweit" erhalten.
Aber mit Verlaub: Schimmelflecken erkennen, Wasserschäden aufspüren, eine Küche als verdreckt identifizieren und frisches Obst von Konservenware unterscheiden – das hätte ich auch noch gerade so hingekriegt. Nur hätte ich statt Anzug, Krawatte und Einsteck-Tuch den Blaumann aus dem Kleiderschrank geholt für den Besuch im maroden "Sachsenross".
Der eigentliche Clou der Sendung ist natürlich, dass Hotelinspektor Hormann laut offizieller Pressemitteilung "unangemeldet" und inkognito in den Hotels auftaucht. Wieder was gelernt. Offensichtlich ist es inzwischen üblich, dass jeder Pauschalurlauber mit einem Kamerateam von RTL im Schlepptau seine Reise antritt. Das muss ich bei der Planung meines nächsten Urlaubs unbedingt berücksichtigen.
Ich drücke Rolf Nick die Daumen. Er hat zwar so gut wie keine Ahnung vom Hotelfach. Aber er ist ein Hotelier der ehrlichen Sorte. Er wirbt für sein "Sachsenross" mit dem Satz: "Das Haus, das Grundstück und vor allen Dingen die umliegende Natur bieten genügend Platz für jeden Gast." Das stimmt. Schließlich hat das Hotel so gut wie nie Gäste, die einem den Platz wegnehmen könnten. Selbst im Gästebuch der "Sachsenross"-Website stammt der jüngste Eintrag aus dem Februar 2006.
Der Voyeurismus der Fernsehzuschauer, so scheint es, ist befriedigt. Sie sind es leid, permanent anderer Leute Dreck und gescheiterte Existenzen vorgeführt zu bekommen. Zumindest blieb die Einschaltquote bei der Premieren-Sendung vom vergangenen Sonntag hinter den Erwartungen zurück. Das stimmt zuversichtlich. Und wir haben ein Herz für Underdogs. Daher: Bis demnächst im "Sachsenross".
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