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redkrebs zwischen den Zeilen
Reise zum Mittelpunkt der Welt
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Von Michael Hitzek
Ohne Zweifel: "o" und "u" sind die schönsten Vokale der Welt. Und zwischen den Zeilen hört man bei redkrebs dann plötzlich ein "ou". Doch nur zwei Mitarbeiter von redkrebs sind in der Lage, diese vollendete Liaison der schönsten Vokale der Welt fehlerfrei auszusprechen. Eine Reise zum Mittelpunkt der Welt.
Die SZ hat es zuletzt im November 2008 geschrieben: Oberpfalz – Mittelpunkt der Welt. Das wissen die Mitarbeiter von redkrebs schon lange. Schließlich stammen zwei Kollegen von dort. Schon an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die üblen internen Gerüchte, hier handle es sich um die einzigen Diven der Firma, nichts mit deren Herkunft sondern bestenfalls mit ihrem Geschlecht zu tun haben.
Also vergeht kein Tag, an dem die beiden Mitarbeiter nicht auf ihre Oberpfälzer Herkunft hinweisen oder Geschichten von dort erzählen. Das nährt in der Belegschaft sowie im Umfeld von redkrebs auffällig großes Interesse am Mittelpunkt der Welt. Wobei hier präzisiert werden muss: Die beiden Mitarbeiter stammen aus Burglengenfeld. Und wenn die Oberpfalz der Mittelpunkt der Welt ist, dann ist Burglengenfeld – mindestens! – das Zentrum vom Mittelpunkt der Welt.
Jedenfalls: Das Interesse am Geburtsort besagter Mitarbeiter ist enorm. Spötter behaupten, das liege vor allem daran, dass die beiden es schaffen, in schier unbegrenzter Zahl die Vokale "o" und "u" – meist kombiniert zum "ou" – in nahezu jeden beliebigen gesprochenen Satz zu integrieren. Was manche als "grobschlächtig" bezeichnen, ist für die beiden Mitarbeiter der gleichermaßen selbstbewusste wie natürliche Reflex der Selbstbehauptung gegenüber
a) Kolleginnen ostdeutscher Herkunft, die stets peinlich bemüht sind, ihren heimischen Dialekt zu verbergen, oder
b) Kolleginnen, die aus München stammen, und damit von Geburt an ein ähnlich akzentfreies Idiom pflegen, wie man es sonst gemeinhin nur in der Gegend um Hannover hört.
Wähnen sich die Damen unbeobachtet, so hören sie die Spione von Lidl und Telekom schon mal über die beiden Kollegen lästern: "So wie die reden, ist es schon fast bewundernswert, dass sie einen geraden deutschen Satz schreiben können."
Nun ist die Widerborstigkeit des Oberpfälzers, insbesondere, wenn er aus dem Landkreis Schwandorf stammt, spätestens seit dem Widerstand gegen den einst geplanten Bau der Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf weithin bekannt. Und weil die beiden Mitarbeiter nur ungern das Loblied auf sich selbst singen, lassen sie zur Verteidigung ihrer selbst, ihrer Herkunft und vor allem ihres Dialekts stets nur Fakten sprechen. Das klingt dann so:
Es sind Burglengenfelder und damit Oberpfälzer, die in München dafür sorgen, dass
- die Weihnachtskarten der SOS-Kinderdörfer in alle Welt verschickt werden.
- die Fernsehbilder von den großen Sportschauplätzen dieser Erde in den heimischen Wohnzimmern ankommen.
- die chronische Wohnungsnot in der Landeshauptstadt bekämpft wird.
- die oberbayerischen Kinder beim nächsten PISA-Test nicht durchfallen.
- die bayerische Chemieindustrie eine gerne gehörte Stimme hat.
- die Produkte von BMW ins rechte Licht gerückt werden.
Und immer häufiger hört man in der bayerischen Landeshauptstadt ein kunstvoll intoniertes "ou". Viele haben schon Angst.
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