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redkrebs schreibt Geschichte
Airport!
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Ich war bereit. Ich wollte endlich ein Abenteuer fernab von Job, Karriere und Alltag erleben. Ich sah mich bereits vor mir: Mit wehenden Haaren im Jeep durch die Steppe Namibias. Rings um mich herum viele wilde Tiere, neben mir mein derzeitiger Lebensabschnittspartner Max, der mir in den folgenden drei Urlaubswochen beweisen sollte, ob er über den Status "Abschnitt" hinauszukommen bereit und fähig war.
Ich war bereit für Abenteuer … das ungeplant bereits auf dem Hinflug bei einem einstündigen Zwischenstopp in Johannisburg begann, denn: Unser sorgfältig kalkuliertes Zeitmanagement funktionierte nicht! Die Gepäckausgabe dauerte zu lange – um genau fünf Minuten, die wir völlig verschwitzt und zu spät zum Check-in-Schalter angerannt kamen. "Sorry, finished."
Ich war bereit für Ärger. Wo und wie jetzt an einen Anschlussflug kommen? Man gab uns den guten Tipp doch mal bei der Fluggesellschaft ARABIAIR vorbeizuschauen, deren Schalter sich – wie sollte es anders sein – ganz am anderen Ende der Halle befand. Wir schulterten abermals unsere Koffer und machten uns auf die Suche nach dem Schalter, der unser Schlüssel zum Urlaub sein sollte.
Ich war bereit, einen Menschen zu beschimpfen. Und zwar den netten, schweigsamen Herrn am Schalter einer großen deutschen Fluggesellschaft, den ich nur nach ARABIAIR fragte. Daraufhin tippte er unvermittelt wild mit einem Ein-Finger-Suchsystem gezählte 15 und geschätzte 45 Minuten lang auf seiner PC-Tastatur – um mir dann lapidar mitzuteilen: Er kann uns nicht helfen.
Ich war bereit, meinen Lebensabschnittspartner kurzfristig zum Lebenspartner zu machen, denn Max entdeckte das 20x30 cm große, handgeschriebene Schild, an dem wir schon mehrmals vorbei gerannt waren und das uns sagte: Hier ist ARABAIR. Die schweigsame Dame am Schalter hörte sich geduldig unser Problem an, tippte in Schneckengeschwindigkeit auf ihrer Tastatur herum und – als ich schon nicht mehr daran glaubte – zauberte sie zwei Tickets für unseren Weiterflug hervor.
Ich war bereit für Namibia. Und mein Partner Max hat es durch unverzagtes Trösten und Aufmuntern seiner Begleiterin (also mich) geschafft, dass diese an einen gemeinsamen Lebensabend denkt. Bis es allerdings soweit ist, wollte ich am Flughafen noch Geld wechseln. In der Bank vor Ort war keiner der vier leer gefegten Schalter zum Geldwechsel autorisiert, dafür sollte ich vor einem abgeschlossenen Kabuff warten, in dem ein junger Mann ein offensichtlich vergnügtes Schwätzchen mit einem offensichtlich ihm bekannten Kunden führte. Meine Frage an einen vorbei schlendernden Bankangestellten, warum das so lange dauern würde, beantwortete dieser verständnislos: "The man has a lot of work."
Ich war bereit für mein Geld. Endlich war ich an der Reihe, doch das nächste Hindernis tauchte unvermittelt auf: "Germany? Where ist this place?" wollte der Geldwechsler von mir wissen, was ich ihm 20 Minuten lang zu erklären versuchte. Zufrieden gestellt zählte der gute Mann 5 Mal meine Scheine, dann 5 Mal das entsprechende einheimische Geld, kopierte ausgiebig, telefonierte mehrmals, bearbeitete konzentriert seinen Computer, kopierte nochmals – und begann von vorne zu zählen.
Ich war bereit, meine angeborene Höflichkeit zu vergessen. "Es ist nicht mehr und nicht weniger seit dem letzten Zählen geworden", zischte ich dem Bankangestellten zu, der die Gefahr erkannte und ganz schnell zu Ende zählte. Jetzt sollte ich nur noch ein Formular ausfüllen, in dem u. a. auch meine Heimatadresse einzutragen war. Gerade wollte ich mein Geld nehmen, als er das Formular genauer ansah und fragte "Pestalostraße 456, München – where is this place?"
Ich war bereit zu explodieren. Ich blaffte „MY HOME ADRESS", worauf hin der Geldwechsler entgegnete "Oh, than we have a BIG problem?" Ich war schon auf dem Sprung an eine Gurgel, als mein Liebster Max plötzlich vorschlug, ich solle in diesem Feld angeben, dass ich durchreisende Touristin ohne feste Adresse sei. Der Bankangestellte lächelte mich an, sagte "That’s a well idea" – und ich machte Max einen Heiratsantrag.
Tatsächlich war Namibia wunderschön, aber ich brauchte zwei von den drei Wochen, den Hinflug zu verdauen und die restliche Woche, mich mental auf das Abenteuer Rückflug vorzubereiten. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich bin wieder bereit für Deutschland. Denn hier werde ich meinen nächsten Urlaub verbringen.
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