Home arrow Service arrow Aktuelles arrow redkrebs schreibt Geschichte arrow Eben keine Spül-Erlebnisse
 

Ein Tag kann gut beginnen. Oder auch nicht. Zum Beispiel, wenn die Stadtwerke fleißig sind, aber es keinem rechtzeitig sagen. In einer solchen Situation wäre man sogar über einen störenden Obermieter froh.

Wasser (Definition): H2O, chemische Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff: Geruch- und geschmacklose durchsichtige Flüssigkeit. Gefrierpunkt bei 0 Grad Celsius, Siedepunkt bei 100 Grad Celsius, größte Dichte bei vier Grad Celsius. Von größter physiologischer Bedeutung für das Leben auf der Erde und die klimatischen Verhältnisse.

An diese wunderbaren und essenziell wichtigen Eigenschaften habe ich gestern – ehrlich gesagt – keinen Gedanken verschwendet.

Ich wohne in einem … Mietsblock. Vorletztes Stockwerk. Meine Nachbarn unter mir sehe und höre ich nicht. Die direkt über mir sehe ich kaum, dafür höre ich sie umso besser.

Und gestern bin ich gegen 5 Uhr von lautem Plätschern aufgewacht. Ich werde jeden Morgen auf diese Art geweckt, weil mein Nachbar ohne Zweifel ein Stehpinkler ist. Sein festes morgendliches Ritual schließt normalerweise mit einem beherzten Griff zur Klospülung, die auch die letzten Reste morgendlicher Schlummerei in mir ertränkt.

Gestern nicht. Ich liege und lausche. Kein Spülorchester.

Da ich fast wach bin, suche ich mein Badezimmer auf und nehme die Gelegenheit wahr … ich plane außerdem, im Anschluss noch eine Stunde zu schlafen. Meine Hand greift also den Druckspüler. In einer fließenden, immer gleichen Bewegung setze ich gerade so viel Kraft ein, um die Menge Wasser freizulassen, die jeden Umweltschützer erfreuen würde.

Doch außer einem leisen „Pfffft“ und einem Röcheln im Rohrleitungssystem kommt: nichts. Mischhebel Waschbecken: nichts. Auch nichts in der Dusche, Badewanne und Küche. Ich bin Optimist. Mit dem Gedanken, dass es um 6 Uhr wieder Wasser gibt, lege ich mich wieder hin.

6 Uhr. Kein Wasser. Ich suche und finde eine letzte kleine Flasche Mineralwasser. Im Wasserkocher erhitzt, schmeckt das zwar ekelig, aber es reicht fürs Zähneputzen. Leider funktioniert das Stylen der Haare nicht so fluffig. Meine mit Wachs und Gel verklebten Hände wollen mit dem restlichen Mineralwasser einfach nicht sauber werden. Hektisch suchend fördere ich noch einige Feuchttücher zu Tage. Den Zitrone-Wienerwald-Duft an einigen meiner Körperstellen kaschiere ich mit Serge Lutens.

Leidlich sauber und schlecht gelaunt starte ich meinen Arbeitstag. Am Abend hing übrigens ein Informationszettel an unserer Haustür: „Aufgrund von Revisionsarbeiten wird die Hauptwasserleitung heute, 13. Januar 09, zwischen 8 und 11 Uhr gesperrt. Wir bitten um Ihr Verständnis. Die Stadtwerke XXX.“

Mein Verständnis hielt sich übrigens in Grenzen.  
 

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