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redkrebs weiß Bescheid
Tod den Pressekonferenzen
Ein Trauerspiel in 3 Akten
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Von Bernhard Krebs
In den einschlägigen Fachbüchern über erfolgreiche Pressearbeit ebenso wie im Bewusstsein von Unternehmern nehmen die Pressekonferenz und das Pressegespräch eine herausragende Rolle ein.
Kaum verwunderlich, dient dieses Medium der Öffentlichkeitsarbeit doch nicht nur der Information, sondern definiert zugleich auch ein reizvolles Szenario aus Frage (=Journalist=Bittsteller) und Antwort (=Unternehmen=Gönner). Und die Versuchung ist groß: Wer möchte nicht einmal die Macht kosten und sagen „Die letzte Frage bitte“?
Und so beginnt das Trauerspiel …
Erster Akt. Es beginnt mit einem Missverständnis.
Ein findiger PRler wird zum Unternehmer gerufen mit dem Auftrag, für ihn sein Fachwissen und vor allem seine Presse-Kontakte nutzbringend und gegen Entgelt einzusetzen. Nicht selten nutzt der erfolgreiche Firmenchef die Gelegenheit, aus der Schublade Spiegel, Focus, Stern und Handelsblatt zu ziehen und prüfend zu fragen: "Können Sie da einen Artikel über uns platzieren?"
"Vielleicht", sagt der Pressemann, denn schamlos lügen mag er nicht. Auch wenn an dieser Stelle durchaus ein Exkurs über Ehrlichkeit angebracht wäre – zumal selbige spätestens jetzt Schlimmeres verhindert hätte. Jetzt will der Unternehmer eine Pressekonferenz mit vielen illustren Journalisten, die ein weltweit führendes Produkt bzw. eine international einzigartige Dienstleistung zu schätzen wüssten.
ABER: Der Unternehmer ist kein Fußballtrainer, kein Telekom-Chef und auch kein relevanter Politiker. Er ist "nur" ein erfolgreicher Mann, der in einer Marktnische mit seinem Produkt richtig viel Geld macht. Es gibt tausende, in ihrem Bereich epochale Errungenschaften, auf die man sehr stolz sein darf – und dabei wissen muss, dass sie dennoch für mehr als 99,9 Prozent der Menschheit absolut uninteressant sind.
Der PRler sagt es nicht. Er zählt die Tagessätze exklusive Telefonkosten zusammen, die er berechnen kann – und schweigt.
Dafür nimmt der Trauerspiel-Verlauf in seiner Dramatik Fahrt auf …
Zweiter Akt. Die Protagonisten.
Zuallererst ein kurzer historischer Rückblick: In glücklichen Jahren, als die Kassen der Verlage noch gut gefüllt waren, bevorzugten die einschlägig bekannten Journalisten die weite Anfahrt zur Pressekonferenz, ließ sich der Aufenthalt in der Ferne doch trefflich mit Recherchen für investigative Reportagen verbinden, zu der im Dienste der Sache nicht selten eine geleerte Minibar und eine üppige Spesenrechnung gehörten.
Auch gab es Unternehmen und Themen, deren Pressekonferenzen eine bestimmte Gattung von Journalisten in Scharen lockte: Freilich wegen der Themen, die ein Autohaus, ein Freizeitpark, eine Therme oder ein Weingut bieten konnte – und nicht wegen Präsenten, wie bösartige Spötter behaupteten. (Letztere unterstellen auch den Reisejournalisten, dass die kostenlosen Urlaubs-Trips Einfluss auf die Berichterstattung hätten.)
Die Zeiten sind vorbei. Und mit ihnen sind die Pressekonferenzen gestorben. Vor dem Jammern und Wehklagen kommen jedoch erst noch Agonie (=Todeskampf) und Diagnose …
Dritter Akt. Warten auf …
Es ist ungerecht, die Vertreter von Anzeigenblättern, Vereinsschriften, Schülerzeitungen und Video-Arbeitsgruppen in ihrer Ernsthaftigkeit zu kritisieren – aber sie sind für den PRler mitunter die letzte Chance. Die eingeladene, undankbare Journalistenmeute gab nämlich Korb um Korb, die Wohlwollenden unter ihnen forderten zumindest Pressemeldung und Pressemappe an, die sie einmal anzuschauen versprachen.
Das Podium ist gebaut, die Tische gestellt und die Mikrofonanlage für teures Geld ausgeliehen. Davor leere Stuhlreihen und an der Tür ein ungeduldiger Chef, der den schwitzenden PR-Experten mit eiskaltem Blick fixiert.
Mit etwas Glück taucht noch der 74-jährige freie Mitarbeiter des örtlichen Anzeigenkuriers auf und macht mit einem großen Bohai ein Foto. Aber auch er kann nicht darüber hinweg täuschen, dass es an der Zeit ist:
Tod den Pressekonferenzen.
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