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redkrebs schreibt Geschichte
Aujourd’hui: Dem stillen Genießer
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Gutedle Freunde,
wie verlegen kann unsereins doch werden angesichts guten oder auch schlechten Geschmacks: „Wie reizend dein Hut – er macht so einen schlanken Fuß!“ Manches Mal steht uns die gute Kinderstube im Weg zum rechten Wort, ein anderes Mal ist es die Unsicherheit, die böse Ahnung eines nur rudimentär bestellten Sprachfelds. Dann „fehlen uns die Worte“. Oder wir nennen den Eifelturm „groß“, den Monet „bunt“ und Sacré-Coeur „hübsch“ – nur, um überhaupt etwas zu sagen.
Ich persönlich ziehe diese Ehrlichkeit im schlichten Ausdruck dem falschen Wort zur rechten Zeit unbedingt vor. Entschuldbar ist sicherlich das Missgeschick, das jedem Sprachschüler zu Beginn passiert. Ich erinnere mich gern an eine Episode aus meinen eigenen Lehr- und Wanderjahren: Ein sehr junger Auszubildender des Restaurantfachs wurde von einem der ganz großen Weinkenner dieser Republik an den Tisch gerufen, um einen Burgunder zurückzunehmen, der korkte. Der Auszubildende bekam einen hochroten Kopf, zögerte einen Moment und brachte schließlich zur Verteidigung hervor: „Verzeihung, aber ich habe die Flasche doch gerade erst aufgemacht!“ Bonmots dieser Art sind verzeihlich – ein Bonvivant, der sie mit einem Lächeln quittiert.
Wehe, wehe, wehe aber, wenn ich an den Gecken denke, der sich die Blüten der Sprache des Weins am Wegesrand pflückte und im Moment des Geltungsdurstes vollmundig als Bouquet bezeichnet. Eh sich’s der stumme Genießer versieht, wird aus dem Dom Pérignon die phänomenalste Kathedrale Frankreichs und aus dem Methusalem ein ausgesucht alter Wein – ganz zu schweigen von der urdeutschen, gern auch dialektgefärbten Intonierung des Namens Taittinger.
Ein besonderes Erlebnis bescherte mir aber ein Diner des österreichischen Konsulats, auf dem ein Geck vorbezeichneten Schlags einen Roter Veltliner bestellte, da zur gefüllten Kalbsbrust ja unmöglich ein Weißwein konsumiert werden könne.
Meine Freunde: In der Ruhe liegt die Kraft – auch die des Weins. Lassen Sie uns für einen Moment still genießen...
Santé! wünscht:
Ihre Beaujolette
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